Wissenschaftlicher Hintergrund zu Datentracking im Fußball

Ein Gastbeitrag von Emiel Schulze

Der Unterschied zwischen Top-Mannschaften und den Verfolgern wird im Fußball immer kleiner (Bradley et al. 2015). Dies sieht man vor allem, wenn man sich die Tabellenspitze der Bundesliga anschaut. Die Plätze drei bis sieben trennen nur wenige Punkte. Innovative Ideen, welche die Leistung der Mannschaft manchmal nur um wenige Prozentpunkte verbessern, können am Ende der Saison entscheidend sein. Vor allem im oberen und unteren Tabellenbereich. Schon kleine Verbesserungen der Leistung einer Mannschaft können lukrativ sein. In der Tabellenspitze entscheidet die Platzierung darüber, wer an der Champions League teilnehmen darf oder in der Europa League mitspielen kann. Aber auch die Entscheidung über Aufstieg und Abstieg basiert oft auf geringe Abstände zwischen den Mannschaften.

Ein Hilfsmittel, das in der Bundesliga schon seit einigen Jahren zur Datenanalyse einzelner Spieler und der Mannschaft zum Einsatz kommt, ist das Sammeln von athletischen und realtaktischen Daten. Quantitative Daten dienen dazu, dass der Trainerstab langfristig die athletischen und taktischen Fähigkeiten der Spieler erfassen und beobachten kann. Auch werden die erhobenen Daten live dazu genutzt, Vergleiche zwischen den Spielern und den Mannschaften herzustellen und Spielkommentare oder die Analyse nach dem Spiel zu untermauern. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sammelt die Daten aller Bundesligaspiele und macht die Leistung der einzelnen Spieler für den Zuschauer und Fußballinteressierten greifbar.

In den vergangenen Blogbeiträgen haben wir Euch gezeigt, was Fußball-Tracking-Systeme sind, wie sie funktionieren, was sie können und welche Unterschiede es zwischen den einzelnen Systemen gibt. Heute wollen wir uns anschauen, wie der derzeitige wissenschaftliche Stand bezüglich Datentracking im Fußball ist.

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Christina

 

Vergleich Videoanalyse und GPS-Tracking

 

Die Spiel- und Leistungsanalyse mittels Videomaterial ist schon seit etwa zehn Jahren im Fußball üblich. Mit Hilfe von mehreren Videokameras, die an der Decke der Stadien installiert werden, werden die Spiele aufgezeichnet und nach der Datenverarbeitung ausgewertet. Die Messgenauigkeit dieser Systeme, wie beispielsweise das System von Prozone, ist wissenschaftlich evaluiert (Da Silva et al. 2006). Eindeutiger Nachteil der Videoanalyse ist, dass das System an das Stadion gebunden ist und damit nicht portabel ist. Zudem sind die Kosten für solche Systeme sehr hoch. Auch ist die Auswertung der Daten mit einer hohen Arbeitsintensität verbunden, da das Bildmaterial größtenteils durch Personen ausgewertet werden muss.

Hingegen sind GPS-Systeme deutlich flexibler als Kamerasysteme. Über die Verbindung zu Satelliten gewinnen GPS-Tracker relevante Informationen. Die Spieler müssen lediglich einen Tracker tragen, der mit Satelliten in Verbindung steht (Malone et al. 2016). Das GPS-System ist somit überall unter freiem Himmel verwendbar. Auf Basis der durch GPS-Systeme gewonnen Daten lassen sich Aussagen zu Geschwindigkeit, Position und Zeit machen. Ein weiterer Vorteil der GPS basierten Messung ist, dass die Systeme deutlich günstiger sind als die Videosysteme.

 

Was TRACKTICS besonders macht

 

Im Gegensatz zu anderen GPS basierten Systemen wird bei TRACKTICS der Tracker näher am Körperschwerpunkt getragen. Dadurch entstehen geringere Messfehler (Barrett et al. 2015) als bei Systemen, die beispielsweise in einer Weste auf Brusthöhe getragen werden. Ein großer Vorteil des Systems ist weiterhin, dass durch den vergleichsweise geringen Preis auch Amateurvereine die Möglichkeit der Datenanalyse erhalten. Die reale Leistungsmessung im Spiel und Training ist somit auch im Amateursport angekommen.

 

Fußball-Tracking-Gürtel

Körperschwerpunktnahe Aufbewahrung des Trackers in einem Gürtel

Aktuelle Studienlage zum wissenschaftlichen Hintergrund

 

Studien zeigen, dass die  Datengewinnung über GPS-Systeme sehr genau ist (Duffield et al. 2010). Jedoch ist es häufig so, dass die Genauigkeit der Systeme durch Studienteilnehmer überschätzt wird. Duffield et al. (2010) konnten zeigen, dass die Versuchsteilnehmer häufig den GPS-Systemen eine höhere Genauigkeit zusprachen, als sie letztendlich in den Tests erwiesen. Weiterhin zeigen Studien, dass die Genauigkeit der Messung mit den Jahren deutlich zugenommen hat. Im Vergleich zu älteren GPS-Systemen sind moderne GPS-Systemen sehr genau in ihrer Messung.

Ausblick

 

Die Messung der eigenen Leistung ist schon seit Jahren in der modernen Gesellschaft angekommen. GPS basierte Systeme finden mittlerweile nicht nur im Sport Anwendung, sondern auch im täglichen Leben. Fitnessarmbänder sollen dazu motivieren die tägliche Aktivität zu messen. Vor allem auch in den Ausdauersportarten ist das Tracken der eigenen Leistung nicht mehr wegzudenken. Jeder macht es, ob Profisportler oder Amateur. Auch im Fußball ist der Schritt zur täglichen Leistungsmessung nicht mehr groß. TRACKTICS überwindet die Hürde zwischen teuren Profisystemen und einer bezahlbaren aber genauen Variante für den Amateursport. Bisher ist die Studienlage zur Anwendung von GPS-Systemen im Fußball noch nicht besonders ausgereift. Es gibt einige Studien zur Funktionalität von GPS basierten Tracking-Systemen im Allgemeinen und deren Messgenauigkeit im Fußball. Es wäre zukünftig interessant zu sehen, wie sich die Nutzung solcher Tracking-Systeme langfristig auf die Motivation und Leistung der Spieler auswirken und wie sich das Verhalten der Trainer durch die Nutzung von Tracking-Systemen ändert. Das Gebiet der datenbasierten Leistungsmessung im Fußball ist besonders im Amateursport noch nicht sehr verbreitet, zukünftig bieten sich hier sicherlich interessante wissenschaftliche Forschungsgebiete.

Mach’s wie die RealMadrid Fußballschule und analysiere deine Leistung mit unserem Tracker!


Quellen:

JJ Malone, R Lovell, MC Varley and AJ Coutts (2016). Unpacking the Black Box: Applications and Considerations for Using GPS Devices in Sports. Internationals Journal of Sports Physiology and Performance.

S Barrett, AW Midgley, C Towlson, A Garrett, M Portas and R Lovell (2015): Within-Match Player Load TM Patterns During a Simulate3d Soccer Match: Potential Implications for Unit Positioning and Fatigue Management. International Journal of Sports Physiology and Performance.

RJ Johnston, ML Watsford, SJ Kelly, MJ Pine and RW Spurrs (2014). Validity and Interunit Reliability of 10 Hz and 15 Hz GPS Units for Assesing Athelte Movement Demads. Journal of Strength and Conditioning Research.

R Duffield, M Reid, J Baker annd W Spratford (2010). Accurancy and reliability of GPS devices for measurement of movement patterns in confined spaces for court-based sports. Journals of Science and Medicine in Sport.

V Di Salvo, A COllins, B McNeill and M Cardinale (2006). Validation of Prozone® : A new video-based Performance Analysis System. International Journal of Performance Analysis in Sport, 6(1): 108-119.

PS Bradley, DT Archer, B Hogg, G Schuth, M Bush, C Carling and C Barnes (2015). Tier-specific Evolution of match Performance characteristics in the English Premiere League: it’s getting tougher at the top. Journal of Sports Sciences.

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