Der perfektionierte Eckstoß dank Datenanalyse

Im Fußball lässt sich beobachten, dass immer mehr Ecken kurz ausgeführt werden. Wir sehen es beim FC Barcelona, beim FC Bayern München oder auch bei Manchester City. Doch das ist nicht immer so gewesen. Erst seit einigen Jahren sieht man immer häufiger die kurze Variante vom Eckstoß. Der Fußball scheint einen kleinen Wandel durchlaufen zu haben. Was viele noch nicht wissen, diesen Wandel verdanken wir der statistischen Analyse von Fußballdaten.

 

Warum Ihr Euren Eckstoß kurz ausführen solltet

 

Fußball und Tradition, diese zwei Begriffe gehen oft Hand in Hand. Doch Tradition ist träge. Tradition ist ein festsitzender Baustein in einem Konstrukt, welches Veränderungen skeptisch gegenübersteht. Das bestehende Dogma im Fußball lautet: „never change a running system“. Aus diesem Sumpf versucht sich der Fußball zu befreien. Es ist eine Gewöhnungsphase notwendig, um den Mehrwert von rohen, objektiven Fußballdaten zu erkennen. Es ist eine Gewöhnungsphase notwendig, um den Zahlen zu vertrauen.

 

Reicht es nicht das Spiel zu sehen?

 

Sieht man nicht, wenn man am Spielfeldrand steht, dass die Viererkette zu tief steht? Sieht man nicht, dass der linke Verteidiger öfter offensiv Flanken schlägt als sein Äquivalent auf der rechten Seite? Die Antwort ist ja…und nein. Unser Gehirn hat seine ganz eigenen Defizite. Es tendiert dazu emotionale Ereignisse überzubewerten und an den eigenen Überzeugungen festzuhalten. Dieses Phänomen wird in der Sozialpsychologie als Kognitive Dissonanz bezeichnet.

[box] Kognitive Dissonanz

Kognitionen sind mentale Prozesse und Strukturen eines Individuums über die Realität (z.B. Meinungen, Einstellungen, Gedanken, Wünsche, Ansichten). Kognitive Dissonanz entsteht dann, wenn zwei oder mehrere Kognitionen einer Person einander widersprechen. Da Individuen immer nach einem Gleichgewicht zwischen den Kognitionen streben (sog. Kognitive Konsonanz) führt das Bestehen einer Dissonanz dazu, dass das Individuum versuchen wird diese Spannung aufzuheben. Dies ist möglich, indem beispielsweise eine Umgebung aufgesucht wird, in der sich die Dissonanz verringert oder selektiv Informationen gesucht werden.[/box]

Aufgrund des Vorhandenseins von Kognitiver Dissonanz, wird die Person gezielt nach Ereignissen suchen, die den eigenen Standpunkt untermauern. Wenn man persönlich davon überzeugt ist, dass in den Strafraum geschlagene Ecken stets die richtige Entscheidung sind, dann sucht man unterbewusst gezielt nach einem Ereignis, welches das bestätigt. Dadurch hält man seinen eigenen Standpunkt für bewiesen. Diese Wahrnehmungsverzerrung ist unvermeidbar und geschieht meist unterbewusst.

 

Objektive Daten vs. Subjektive Emotionen

 

Vor allem in Situationen bei denen Emotionen Einfluss auf das Handeln nehmen, sollte man der eigenen Wahrnehmung misstrauen. Man sollte der eigenen Wahrnehmung kritisch gegenüberstehen. Genau dies ist die Lücke, die eine statistische Analyse von Fußballdaten füllen kann. Die eigene Wahrnehmung ist verfälscht durch persönliche Überzeugungen. Die Daten aber zeigen die Wahrheit.

 

Was sagt die Statistik zum kurzen Eckstoß?

 

Wir haben uns eine Studie angeschaut, welche die Daten aus einer Stichprobenanalyse bezieht. Für die Stichprobenanalyse wurden während der Saison 2010/2011 insgesamt 134 Premiere League Spiele betrachtet. Insgesamt wurden 1434 Ecken betrachtet und statistisch analysiert.1 Zwei wichtige Erkenntnisse können aus den analysierten Daten gewonnen werden.

  1. Nur eine von fünf (20.5%) geflankten Ecken führt zu einem direkten Schuss auf das Tor. Vier von fünf Ecken hingegen haben keinen Schuss zur Folge.
  2. Von diesen Schüssen auf das Tor wiederum landet nur einer von neun Versuchen (11%) im Netz.

Wenn man diese beiden Wahrscheinlichkeiten miteinander korreliert, erhält man eine Torwahrscheinlichkeit nach einer geflankten Ecke von 2.2%. Im Durchschnitt erkämpft sich ein Premiere League Team pro Spiel 5,4 Ecken. Zieht man dies bei der Betrachtung hinzu, dann erzielt jedes Premiere League Team im Durchschnitt nur in jedem zehnten Spiel einen Treffer nach einer geflankten Ecke. Also sehr selten. Berücksichtigt man zusätzlich die Gefahr eines Konters, die bei einem Eckstoß besonders hoch ist da sich meist auch die kantigen Innenverteidiger in das Strafraumgetümmel stürze, so sind Ecken (statistisch gesehen) fast wertlos.

Mit dieser Erkenntnis scheint die Entwicklung zu kurzen Ecken im Profifußball logisch. Die Daten der Fußballanalytiker haben die besten Trainer der Welt davon überzeugt, vermehrt auf kurze Ecken zu setzen. Eine 2.2%ige Chance ist zu gering und mit den Kosten der Kontergefahr abgewägt fast nicht zu rechtfertigen. Statistische sowie taktische Gründe befürworten eine kurz ausgeführte Ecke. Spielt man kurz, befindet man sich automatisch im gefährlichen Drittel. Ballbesitz im gegnerischen Drittel, so zeigen es ebenfalls die Daten, ist der Schlüssel für eine höhere Siegeswahrscheinlichkeit. Mehr dazu bald in einem zukünftigen Blogbeitrag auf TRACKTICS.

 

Daten im Fußball

Datenanalyse im Fußball

 

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1 On average, the teams in the sample took 5.4 corners per match, consistent with the long run average of 5.5, and the clubs earned between 4 and 6 corners in the average match. Shots and goals created from this particular match situation are defined here as occurring within three touches of a corner.


 

Quelle:

Anderson, Chris; Sally, David. The Numbers Game: Why Everything You Know About Football is Wrong (S.340). Penguin Books Ltd. Kindle-Version. 

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