Wahrnehmung von Spielsituationen im Fußball

In unserem Blogbeitrag über den perfektionierten Eckstoß haben wir Euch bereits aufgezeigt, wie Daten Euch dabei helfen können Euer Spiel zu perfektionieren. Auch heute möchten wir Euch mal wieder zeigen, wie Wahrnehmungsverzerrungen, die sich aus unterschiedlichen Meinungen, Erfahrungen etc. ergeben, unsere Einstellung beeinflussen können. Im Fußball stellt man immer wieder fest, dass die Wahrnehmung von Spielsituationen und die anschließende Bewertung solcher Situationen variieren kann.

Nicht selten begegnet die Nutzung von Daten im Fußball zweifelnden Blicken. Wofür der ganze Hokuspokus, wenn der Trainer das Spiel aus nächster Nähe mit den eigenen Augen beobachtet? Wofür benötige ich Statistiken von Ereignissen, die ich schon längst registriert habe? Die Antwort auf diese Frage wird von Psychologen als Selektive Wahrnehmung bezeichnet.

Selektive Wahrnehmung bezeichnet das Phänomen, dass nur bestimmte Aspekte der Umwelt wahrgenommen werden und andere hingegen ausgeblendet werden. Nimmt man etwas selektiv wahr, dann betrachtet man nicht die Gesamtsituation, sondern lediglich einen Ausschnitt. Diese betrachteten Ausschnitte werden voreilig zur Meinungsbildung herangezogen und führen damit dazu, dass sich eine verfälschte Wahrnehmung ergibt.

 

„They Saw A Game“ – Studie

 

In der Studie „They Saw A Game“ von Hastorf und Cantril wird genau diese selektive Wahrnehmung während eines American Football Spiels analysiert. Hastorf und Cantril befragten Zuschauer, die sich das American Football Spiel zwischen Princeton und Dartmouth angesehen haben. Das Spiel verlief ziemlich hitzig, am Ende konnte Princeton das Spiel für sich entscheiden. Geprägt wurde das Spiel von einigen gewalttätigen Auseinandersetzungen. Diese führten unter anderem zu einem Nasenbeinbruch sowie einer Gehirnerschütterung eines Spielers und zum Beinbruch eines anderen Spielers.

 

Unterschiedliche Wahrnehmung von Spielsituationen

 

Nach dem Spiel besorgten sich Hastorf und Cantril die Videoaufnahmen und arrangierten Interviews mit mehreren Zuschauern. Zu den Zuschauern gehörten Anhänger beider Mannschaften. Jedes Gespräch lief gleichermaßen ab: Zunächst schaut der Interviewte die Videowiederholung des gesamten Spiels, anschließend wird er von Psychologen dazu befragt, was während des Spiels passiert sei und welche Mannschaft die Auseinandersetzung angefangen habe. Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Auf die Frage, welche Mannschaft mit dem brutalen Spiel angefangen habe antworteten die Zuschauer wie folgt:

Dartmouth Fans Princeton Fans
Princeton hat angefangen 2% 0%
Beide haben angefangen 53% 11%
Dartmouth hat angefangen 36% 86%
Weder noch 9% 3%

 

Auf die Frage, ob man das Spiel als „sauber“ und fair oder als unnötig grob und unfair einschätze, antworteten die Spieler folgendermaßen:

Dartmouth Fans Princeton Fans
„Sauber“ & fair 13% 0%
grob aber fair 39% 3%
grob & unfair 42% 93%
weder noch 6% 4%

 

Jeder sah das selbe Spiel – zwei Mal. Und dennoch: die Unterschiede in der Wahrnehmung der Spielsituationen zwischen den Anhängern von Dartmouth und Princeton sind riesig. Nur 36 Prozent der Dartmouth-Fans waren der Meinung, dass ihr Team die Rauferei angezettelt habe. 53 Prozent fanden, dass Princeton die Schuld trage. Von den Princeton-Fans empfanden überwältigende 86% die Gegner als Übeltäter. Die Minderheit, nur 11 Prozent der Princeton-Fans sahen die Schuld bei ihrem eigenen Team.

Auch die Folgefrage über die eingeschätzte Brutalität des Spiels wird von beiden Anhängern unterschiedlich beantwortet. Während 93% der Princeton Zuschauer das Spiel als brutal einstuften, waren nur 43% – also weniger als die Hälfte, der Dartmouth Zuschauer der gleichen Meinung.

 

Was können wir daraus lernen?

 

Die Studie zeigt deutlich, dass das die Wahrnehmung von Spielsituationen unterschiedlich ausfallen kann. Genau hier kommt die selektive Wahrnehmung zum Vorschein. Immer, wenn wir selber auf dem Platz stehen oder an der Seitenlinie, nehmen wir das Spiel und dessen Ereignisse durch unsere eigenen Augen wahr. Und die sehen nicht immer das, was wirklich passiert. Unsere eigenen Überzeugungen, Meinungen und Erfahrungen prägen unsere Wahrnehmung. Die Nutzung von analysierten Daten kann dabei helfen, ein Ereignis im Anschluss unabhängig zu bewerten.

 

Wie können uns Daten im Fußball helfen?

 

Daten besitzen keine Meinung, keine Emotionen. Sie bilden die Realität vollständig und unverfälscht ab. Nach dem Lesen der „They Saw A Game“ Studie können wir diese Eigenschaft von Fußballdaten besonders wertschätzen.

Mit Fußballdaten kann der Trainer mehrere Stunden später, wenn die Emotionen heruntergekocht sind, das Spiel nochmals evaluieren. Im Eifer des Gefechts übernimmt der Teil des Gehirns, der für impulsive Entscheidungen zuständig ist, die Führung. Eine komplexe Spielanalyse verlangt jedoch eine gedankliche Nüchternheit, die man während des Spiels nur schwer erlangen kann. Rufe von Zuschauern, gefährliche Fouls, widersprüchliche Schiedsrichterentscheidungen. Das sind die Spielsituationen, die unsere gänzliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das sind die Aktionen, die in unseren Erinnerungen bleiben. Leider kann man als Zuschauer oder Trainer während des Spiels gedanklich nicht zurück spulen um eine vergangene Situation nochmals zu betrachten, vorbei ist vorbei. Für die anschließende Spielanalyse werden Daten herangezogen, die das Spiel objektiv betrachten lassen.

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Quelle:

http://www.age-of-the-sage.org/psychology/social/hastorf_cantril_saw_game.html

http://karrierebibel.de/selektive-wahrnehmung-beispiel-test/

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