Spielanalyse: Der Transfermarkt der Zukunft

Während sich andere Vereine im Transfermarkt auf begehrte Spieler stürzen, kauft Arsenal London das Unternehmen StatDNA. StatDNA sammelt und analysiert Fußballdaten mit erstaunlicher Liebe zum Detail. Trainer Arsene Wenger zeigt sich begeistert „Nach einem Spiel schaue ich immer in die Spielstatistiken“, erklärt er in einem Interview mit Beln Sports1 „Ich möchte herausfinden, ob die Statistiken das bestätigen, was ich sehe oder ob sie mir etwas anderes sagen.“ Wenger, der einen Bachelor in Ingenieurswissenschaften, sowie einen Master in Economics hält ist überzeugt vom Fußballdatentrend: „Heute hat jeder professionelle Fußballverein eine Abteilung, die sich um die Statistiken kümmert.“1 Aber Wenger empfiehlt auch Vorsicht mit deren Umgang. Die heutzutage aufgezeichnete Menge an Daten ist gigantisch. Es ist die Aufgabe des Trainers, die für ihn aussagekräftigsten Daten herauszufinden.

 

Unternehmen als neue Akteure auf dem Transfermarkt?

 

Die wirklich großen Akteure im Bereich der Fußballdaten sind Prozone, StatDNA und Impire. Jedes der Unternehmen hat sich die bestmögliche Datenerhebung und -auswertung zur Mission gemacht. Die drei sind aber nicht alleine. Die wachsende Anzahl von Unternehmen in diesem Bereich verspricht eine kommende Datenrevolution im Fußball. Fußball StartUps tüfteln an neuen Algorithmen für die Spielauswertung und forschen gezielt an neuen Metrikstandards. Der Fußball benötigt Daten, die quantifizieren können, wie gut ein Team oder ein einzelner Spieler wirklich performt. In Zukunft bestimmt nicht allein der Transfer von Spielern den Erfolg eines Vereins, viel mehr treten Unternehmen als neue Akteure in den Transfermarkt ein und können den Erfolg von Vereinen aktiv mitgestalten.

 

Die Revolution der Spielanalyse

 

Stift, Papier und ein 90 Minütiges Video. Mehr wurde bis vor wenigen Jahren nicht verwendet um ein Spiel zu analysieren. Eine vollständige Spielanalyse dauerte mehrere Stunden. Stunden, in denen sich die Analysten mühsam an die Videoaufnahmen setzen mussten um Standbild für Standbild durchzugehen. Die damals erfassten Informationen beinhalteten lediglich Pässe, Schüsse und Paraden. Kein Vergleich zu den peniblen Details, die heute in den Umfang eines Spielertrackings gehören. Alleine im Champions League Finale 2010 wurden 2842 Spielereignisse erfasst. Bis zu 30 Mal pro Sekunde wird die Position eines jeden Spielers auf dem Feld erfasst. Nach Abpfiff erhält man Datenmengen in Höhe von mehreren Hundert Gigabyte.

Auch in der Bundesliga wird schon seit einigen Jahren jedes einzelne Spiel getrackt. Zusammengefasst werden die gemessenen Daten in der Impire-Datenbank, die durch das Unternehmen Impire bereitgestellt wird. Das Unternehmen nimmt die Spiele mit zwei HD Kameras auf, die jeweils auf eine Spielhälfte gerichtet sind. Die Aufnahme wird über Glasfaserkabel an vier Computer gleichzeitig übertragen. Ohne Verzögerung wandelt die Software die Aufnahmen in eine verwertbare Spielanimation um. Die Daten werden live ausgewertet, sodass Wettbüros und Fernsehzuschauer die Vorteile der Tracking-Technologie genießen können. Ein Knopfdruck reicht aus und schon werden alle Fehlpässe sichtbar. Ein weiterer Knopfdruck und schon sieht man die Laufwege des Außenverteidigers der Heimmannschaft. Bei Bedarf zeigt die Software alle Positionen des Stürmers bei einem Ballkontakt. Alles ist anschaulich dargestellt in klug ausgerichteten Grafiken.

Die Detailverliebtheit von Prozone, Opta und Impact erlaubt dem Trainer Problemzonen zu erkennen. Schwammige Vermutungen lassen sich von den Daten kompromisslos bestätigen oder widerlegen. Die Trainer können sofort an einer Lösung arbeiten. Mit den kommenden Ideen ist ein Aufschwung im Bereich von Fußballdaten unvermeidbar. In kurzer Zeit werden neue Ideen, neue Metriken, neue Algorithmen die Fußballdatenanalyse revolutionieren und hoffentlich den Fußball auf ein noch nie zuvor dagewesenes Niveau katapultieren.

 

Moderne Ansätze der Spielanalyse

 

Ein Beispiel für eine wirklich nützliche Spielanalyse, die sich vor kurzem während der Europameisterschaft 2016 bewährte, ist die Anzahl der überspielten Spieler. Die Rate der Anzahl der überspielten Spieler wird auch als Packing Rate bezeichnet. Das Unternehmen hinter der Packing Rate ist Impect, ein von dem ehemaligen Bundesligprofi Stefan Reinartz gegründetes StartUp. Sein Ziel ist es, die Fußballstatistik zu revolutionieren.

Die Anzahl der überspielten Spieler soll quantifizieren, wie effizient das Passspiel eines Teams oder eines bestimmten Spielers tatsächlich ist. Die ARD sowie auch das ZDF berichteten in den Spielanalysen der Europameisterschaften über die Anzahl der überspielten Spieler. Während normale Passstatistiken, die sich auf die Anzahl der Pässe sowie die Passquoten beziehen, zwar durchaus interessant erscheinen und große Zahlen liefern, gewähren sie nur einen mangelhaften Einblick in die Effizienz des Passspiels. Schiebt sich eine Mannschaft im eigenen Drittel die Bälle hin und her, so wird die Passstatistik und auch die Passquote beeindruckende Ergebnisse aufweisen. Doch von generierten Torchancen – und das ist was wirklich zählt – kann man nicht zwingend sprechen.

Genau hier setzt die Statistik über die Anzahl der überspielten Spieler an. Für jeden Pass notiert man die Anzahl der überspielten Spieler. Im Bestfall sind das alle 10 Feldspieler des Gegners. Ein Ballgeschiebe in den eigenen Abwehrreihen resultiert in Null überspielten Spielern. Meister des Packings während der Europameisterschaft 2016 war Toni Kroos. Mit seinen hohen, sehr präzisen Diagonalpässen überspielt er pro Partie durchschnittlich 85 Spieler, somit liegt seine Packing Rate bei 85.

 

Bietet die Spielanalyse Raum für einen neuen Transfermarkt?

 

In Zukunft bleibt der Kampf um die besten Daten ein hochaktuelles Thema im weltweiten Spitzenfußball. Analysieren, verbessern, motivieren, optimieren…schon längst sind die Spieler zum Werkzeug der Datenanalysten geworden. Mittlerweile rückt es mehr und mehr in den Vordergrund immer die beste Leistung abzurufen. Datenanalyse ist für alle Vereine ein spannendes Thema. Wenn auch nicht jeder Verein sein eigenes StatDNA haben kann, so wie Arsenal London, nutzen schon heute zumindest alle Vereine die generierten Daten von Prozone oder Impire. Die plötzliche Entwicklung hat ein Wettrennen angezettelt, bei dem jeder Verein das Beste aus den Daten extrahieren möchte. In Trainerinterviews fallen mittlerweile immer öfter Fachbegriffe wie Expected Goals (xG) oder Regressed Shots (Sh%). Vielleicht erleben wir schon in einigen Jahren, dass nicht nur Spieler auf dem Transfermarkt gehandelt werden, sondern auch Unternehmen, welche die Spiele der Vereine analysieren. Das Interesse der Vereine ist jedenfalls enorm.

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Quellen:

1 http://www.beinsports.com/en/premier-league/video/wenger-eyes-up-the-stats/159293

https://www.theguardian.com/football/2014/oct/17/arsenal-place-trust-arsene-wenger-army-statdna-data-analysts

Ex-Fußballprofi Stefan Reinartz will mit seinem Start-Up Impect die Fußballstatistik revolutionieren

 

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