Eye-Tracking im Fußball

Wir schreiben die 79. Spielminute im Bundesligaspiel von Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg. Erst wenige Sekunden zuvor hatte der Schiedsrichter nach einem Foulspiel auf Elfmeter entschieden. Pierre-Emerick Aubameyang schnappt sich den Ball und legt ihn sich auf dem Elfmeterpunkt zurecht. Die Augen des ganzen Stadions sind jetzt auf ihn gerichtet. Mit einem Treffer könnte er hier das 3:1 erzielen und damit den so wichtigen Sieg für seine Mannschaft sichern. Er läuft an und lupft dem stehengebliebenen Torwart den Ball direkt in die Arme. In den Augen des Schützen sieht man eine Mischung aus Enttäuschung und Scham.

Doch wie konnte der Keeper Marwin Hitz wissen, dass der Ball in die Mitte geschossen wird? Konnte er das auch aus den Augen des Schützen ablesen?  Da stellt sich uns die Frage, wo Aubameyang vor seinem Schuss genau hingeschaut hat? In die Ecken oder doch in die Mitte? Und hätte er den Torhüter über ein bestimmtes Blickmuster verladen können? Um diesen Fragen nachzugehen wurde das sogenannte „Eye-Tracking“ (Augen-Tracking) entwickelt, mit dem wir uns heute näher befassen möchten.

 

Was genau ist eigentlich Eye-Tracking im Fußball?

 

Eye-Tracking funktioniert über eine Brille, diese wird während des Fußballtrainings beziehungsweise Fußballspiels getragen. Der Entwickler dieser besonderen Sportbrillen, z.B. der Hersteller „Ergoneers“, will mit Hilfe dieser Brille die Möglichkeit geben das Blickmuster von Spielern auf dem Feld aufzuzeichnen und zu analysieren.

Wo gucken wir hin, während wir einen Pass spielen? Wo haben wir hingesehen, als wir den Ball aus 30m oben in den Winkel gehauen haben? Besonders interessant ist die Analyse der Blickmuster vor der Ausführung eines Strafstoßes. Denn hier gibt es einerseits Spieler, die in die Richtung schauen, in die sie auch schießen und andererseits gibt es Spieler, die mit ihren Blicken tricksen. Spieler versuchen zu bluffen, indem sie beispielsweise eine Ecke anvisieren, in die sie nicht schießen wollen. Dadurch soll der Torwart dazu gebracht werden in die Ecke zu springen, in die man geschaut hat.

Diese Taktik erweist sich als sehr effektiv! Die normale Elfmetererfolgsquote bei Profispielern liegt bei 70 zu 30. Spieler verwandeln demnach gut 70% aller Elfmeter und nur 30% aller Elfmeter werden vom Torwart gehalten. Studien konnten zeigen, dass Elfmeterschützen, die durch ihr Blickverhalten bluffen, mit ihrer Trefferquote deutlich über diesem Wert lagen.

 

Wie funktioniert die Eye-Tracking Technologie?

 

Während des Fußballtrainings tragen die Spieler die entsprechenden Trackingbrillen. Durch die Konzipierung besonders leichter Brillen wird dabei gewährleistet, dass sie den Fußballer beim Spielen nicht stören. Anschließend werden die Daten ausgewertet. Um eine aufwendige Datenanalyse zu vermeiden wird hier auf die so genannte Marker-Technologie zurückgegriffen. Dabei werden, beispielsweise am Tor, entsprechende Marker angebracht und zwar genau an den Regionen, die für den Fußballer beim Torschuss potentiell von Interesse sein könnten. Wird dann durch die Brille in die Richtung dieser Marker geschaut, erkennt dies das Trackingsystem in Echtzeit und erstellt mit Hilfe einer Software in diesem Bereich eine so genannte „Area of Interest“ (auf Deutsch interessante Zone). Vorstellen kann man sich diesen Bereich wie ein Rechteck im Torwinkel. Innerhalb dieser Zone kann dann genau nachvollzogen werden, wo der Spieler exakt hingeschaut hat, bevor er geschossen hat.

 

Ist Eye-Tracking wirklich nur bei Schüssen relevant?

 

Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten Eye-Tracking im Fußball einzusetzen. So kann die Analyse der Blickmuster beispielweise im Training zum Einsatz kommen. Bei Übungen zum Dribbling beispielsweise wird mittels Eye-Tracking untersucht, ob der Spieler auf den Ball, die Hütchen oder geradeaus schaut. Ähnlich sieht es bei Passübungen aus. Schaut der Fußballer im Moment des Abspiels auf den Ball oder auf seinen Mitspieler? Besonders attraktiv ist Eye-Tracking für Fußballspiele. Während wir Fußball spielen müssen wir unser Umfeld besonders im Blick haben. Das betrifft mögliche freie Räume, den Ball sowie die Position der Mit- und Gegenspieler auf dem Spielfeld. Daher ist es interessant zu analysieren wo wir wann hinschauen.

Ihr zählt im Team nicht zu den Elfmeterschützen? Die Ausführung der Standards zählt nicht zu euren Aufgaben? Und auch eure Spielübersicht funktioniert einwandfrei? Dann ist das Tracken eurer Blickmuster für euch wahrscheinlich weniger interessant. Falls ihr stattdessen sehen wollt, wie viel ihr gelaufen seid und wo ihr euch auf dem Feld am meisten aufgehalten habt probiert mal unseren TRACKTICS Fußballtracker aus.

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Quellen:

Teoldo, J., Guilherme, J. & Garganta, J. (2017). Training football for smart playing: on tactical performance of teams and players. Editora Appris.

http://www.ergoneers.com/wp-content/uploads/2016/06/ER_PM_22_Qualitaetskriterien_Sportwissenschaft.pdf

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